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13.03.2012

Das Lenkungsgremium diskutiert über die Zukunft des Landkreises

Von Thomas Haslböck
Seit einigen Wochen tritt ein dynamisches Tandem im Regionalmanagement kräftig in die Pedale. Die beiden jungen Männer, die die Region in den kommenden Jahren in vielerlei Hinsicht voran bringen sollen, sind Regionalmanager Sebastian Gruber und LAG-Geschäftsführer Tobias Niedermeier. Erstmals seit dieser Neubesetzung hat sich nun das Lenkungsgremium getroffen, um sich über laufende Aktivitäten und Ziele zukünftiger Projektarbeit zu informieren. Das Gremium besteht aus Vertretern des Wirtschaftsministeriums, der Regierung von Niederbayern, Unternehmern aus der Region sowie Kommunalpolitikern.

Schon 16 Projekte mit 800 000 Euro gefördert

Niedermeier, der für die Leader-Förderung im Landkreis zuständig ist, bezog sich in seiner Präsentation vor allem auf die zahlreichen Projekte, die man schon mit den Fördergeldern finanzieren konnte und noch finanzieren wird. Er legte dem Gremium dar, dass seit Beginn der Förderperiode schon 16 Projekte bewilligt und mit gut 800 000 Euro gefördert wurden. Dazu gehören unter anderem das Wolfsteiner Festival und der Industriesteig des KulturLandschaftsMuseums. Projekte, die aktuell umgesetzt werden, sind zum Beispiel die Neustrukturierung der Nationalparkregion oder das Haus der Generationen in der Schule Finsterau. Auch das umstrittene Wasserfreizeitgelände Röhrnbach ist Leader-gefördert. Gerade hinsichtlich dieses Projekts merkten Niedermeier und einige Gremiumsmitglieder an, dass der Widerstand gegen das Gelände sehr verspätet käme, da der Rückbau der Kläranlage schon begonnen habe. Bei schlussendlicher Ablehnung des Projekts würde einiges an Kosten auf den Landkreis zukommen, weil man den Rückbau nicht einfach abbrechen könne und ihn deshalb förderungsfrei weiterführen müsse.Laut Niedermeier habe man aber auch ganz neue Projekte beantragt, auf deren Bewilligung man noch warte. Dabei handelt es sich um das Salettl, einen Tanzsaal im Freilichtmuseum Finsterau, um die Kulturtribüne Perlesreut, sowie um das Stiftermuseum im Rosenberger Gut. Projekte, die sich derzeit noch in einer Vorbereitungs- bzw. Klärungsphase befinden, sind ein Behinderten-Inklusionsbeauftragter, ein Landwirtschaftsmagazin, sowie das generationenübergreifende Erlebnisgelände in Perlesreut.Niedermeier kritisierte aber, dass das Bewusstsein für Leader-Förderung in Freyung-Grafenau noch recht schwach ausfalle - im Gegensatz zu anderen Landkreisen. Ziel der Förderung sei klar die nachhaltige Stärkung des ländlichen Raums - ein Umstand, den man nutzen müsse. Zudem sei weitgehend unbekannt, dass sich auch Privatpersonen mit entsprechenden Projekten um Gelder aus dem Leader-Topf bewerben können. Dies müsse in Zukunft intensiver beworben werden.

Bewusstsein für Leadersoll gestärkt werden

Den zweiten Teil der Präsentation übernahm Sebastian Gruber. Er stellte die vier Schwerpunkte vor, welche sich das Regionalmanagement gesetzt hat: Aufbau von Netzwerken, Imageverbesserung, Bildung und Wirtschaft, sowie Grenzüberschreitendes.Die Netzwerkarbeit solle dabei vor allem als eine Art Türöffner zur Umsetzung von Ideen und Maßnahmen fungieren. Das Regionalmanagement könne schon auf eine ganze Reihe von Netzwerkpartnern blicken. Die Bandbreite reicht von Schulen über Unternehmen und Behörden bis hin zu Vereinen.Maßnahmen zur Imageverbesserung, so Gruber weiter, müssten vor allem auf Jugendliche und junge Erwachsene zugeschnitten werden, die den Landkreis Freyung-Grafenau nicht als Zukunftsregion wahrnehmen. Die Abwanderung junger Schul- und Hochschulabsolventen führe gleichzeitig zu einem Abbau von „know-how“. Aufklärungsarbeit müsse man vor allem hinsichtlich versteckter Potentiale der Region leisten.Ein neues und recht ungewöhnliches Konzept hierzu ist die „mail back“-Kampagne des Landkreises. Das Regionalmanagement versuchte, möglichst viele Gymnasialabsolventen aus der Region zu kontaktieren, und leitete diese auf einen Fragebogen im Internet weiter. Dort haben die Absolventen dann die Möglichkeit, Angaben zu ihrer Ausbildung und ihrem derzeitigen Beschäftigungsort zu machen. Dies bringt nicht nur statistisches Material, sondern ermöglicht es Grubers Büro auch, fortan mit den Absolventen in Kontakt zu bleiben und sie über Neuigkeiten aus der Region zu informieren. Fernziel des Projekts ist es, abgewanderte Absolventen wieder stärker an ihre Heimat zu binden und sie bestenfalls als Fachkräfte in die Region zurückzuholen. Diese Idee scheint erste Erfolge zu zeitigen, immerhin haben bis Ende Februar schon 658 kontaktierte Absolventen den Fragebogen ausgefüllt.Eng verwoben mit dem Punkt der Imageverbesserung ist auch die angestrebte enge Verbindung zwischen Wirtschaft und Bildung. Nicht nur bereits abgewanderte Absolventen sollen laut Gruber an die Region gebunden werden, auch müsse bei der kommenden Generation ein Bewusstsein dafür entstehen, dass Freyung-Grafenau auch attraktiven Wohn- und Arbeitsraum biete. Vielfältig versucht das Team um Gruber daher, junge Leute, aber auch Eltern und Lehrer über die Potentiale vor Ort zu informieren - Flyeraktionen, eine Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse sowie die Projektgruppe „Bildungsregion Bayerischer Wald“ bieten Beispiele.Ausdrücklich lobte Hermann Löffler als Vertreter der Wirtschaft diese Annäherung von Bildung und Wirtschaft. Seiner Meinung nach sei Freyung-Grafenau eine Region mit „großartigen Menschen“, das negative Image des „Waldes“ müsse umgekehrt werden. Die Region liege in einer dermaßen günstigen Lage, „andere Landstriche würden sich die Finger abschlecken“. Man besitze nicht nur zahlreiche Gymnasien, sondern müsse auch bedenken, dass viele Universitäten weniger als eineinhalb Fahrtstunden von Freyung-Grafenau entfernt liegen - namentlich auch solche in Tschechien.

Blick auch nachTschechien richten

Auf den nordöstlichen Nachbarn bezog sich schließlich auch Grubers letzter Schwerpunkt: Grenzüberschreitendes. Es sei eben Sprache, die verbinde - das heißt aber auch, dass man das Erlernen der tschechischen Sprache vorantreiben müsse. Die Kampagne „Gute Nachbarschaft heißt... “ zielt genau darauf ab. Ein umfassendes Programm, an dem sich auch die Katholische Erwachsenenbildung und die Volkshochschule beteiligen, bietet eine Vielzahl von konventionellen und themenbezogenen Sprachkursen.Das Engagement in diese Richtung lobte unter anderem Landrat Ludwig Lankl, der gerade in der Donau-Moldau-Region noch einiges an Potential sieht, welches man nur nach außen tragen müsse.

Auf dem Bild zu sehen:

Lenkungsgremium Reg.Management 2012
Erstmals seit der Neubesetzung des Regionalmanagements traf sich das Lenkungsgremium, um über die Zukunft der Region zu diskutieren.Mit von der Partie waren Martin Frank (von links) von der IHK Niederbayern, LAG-Geschäftsführer Tobias Niedermeier, Regionalmanager Sebastian Gruber, Sebastian Bauer von der Regierung von Niederbayern, Hermann Löffler, Christine Herrgott vom Bayerischen Staatsministerum für Wirtschaft, LAG-Vorsitzender Dr. Klaus Bauer, Wirtschaftsreferent Ralph Heinrich, Landrat Ludwig Lankl sowie Leader-Manager Dr. Eberhard Pex.(Foto: Haslböck)
13.03.2012 
Quelle: PNP Freyung, Lokalteil 
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