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Zum Schutz des Auerhuhns

Wintersport  am Dreisesselberg: Besucherlenkung im Naturschutzgebiet „Hochwald“

Zum Schutz des AuerhuhnsDie kalte Jahreszeit hat auch am Dreisesselberg Einzug gehalten. Dies lockt natürlich wieder eine große Zahl an Schneeschuhgehern und Skitourengehern an. Um bei der Ausübung dieser Aktivitäten nicht die Auslöschung der Auerhühner am Dreisessel zu verursachen, ist es notwendig, sich an die Wegegebote im Gebiet zu halten. Bei einem Medientermin am Dreisessel informierten die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Freyung-Grafenau sowie der Forstbetrieb Neureichenau der Bayerischen Staatsforsten über die Besucherlenkung im Naturschutzgebiet „Hochwald“.

Zum Schutz des  bedrohten Auerhuhn-Vorkommens ist ein striktes Wegegebot erforderlich. Dass noch einige dieses einst für den Bayerischen Wald charakteristischen großen Waldvogels leben, konnte in wissenschaftlichen Studien in den Jahren 2009 bis 2017 nachgewiesen werden.

Aber: „Gerade im Winter können schon geringfügige Störungen zum Aussterben der seltenen Auerhühner im Gebiet führen“ betont Werner Simmet von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Freyung.

Die Untere Naturschutzbehörde hat zusammen mit dem Forstbetrieb Neureichenau seit 2007 zahlreiche Maßnahmen zur Besucherlenkung ergriffen, zum Beispiel die Markierung der Grenzen des Naturschutzgebietes mit amtlichen Schildern sowie die Aufstellung von Infotafeln und der Druck von Informationsflyern.
„Der Dreisesselberg und die Wanderwege entlang der Landesgrenze zum Dreiländereck zählen zu den attraktivsten Wintersport-Freuden im südlichen Bayerischen Wald. Bei Kälte und klarer Sicht ist die Fernsicht auf die Alpen einzigartig. „Schon nach dem allerersten Schneefall auf dem Dreisesselberg kann man beobachten, dass die dortigen Winterwege alle stark frequentiert sind“, so Simmet. „Wie jedes Jahr steigt somit jedoch die Sorge um den Bestand des Auerhuhns.“

Maßnahmen zur Besucherlenkung und eine verbesserte Beschilderung haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Wintersportler von den Besonderheiten und dem Schutzbedürfnis der Wildtiere am Berg erfahren. „Insbesondere der Adalbert-Stifter-Weg wurde mit wintertauglichen Wegemarkierungen ausgestattet, so dass man auch bei schlechtester Sicht oder bei Neuschnee zielsicher die zulässigen Wege im Gelände findet,“ erläutert Simmet. „So lässt sich vermeiden, dass versehentlich und ohne Absicht ein Auerhuhn bei der lebenswichtigen Nahrungsaufnahme in angrenzenden Waldrandbereichen gestört wird.“

Der Lebensraum des Auerhuhns ist der alte Bergmischwald. Dieser wird im Dreisesselgebiet simuliert durch den oberen Rand der geschädigten Fichtenwälder. Die Lebensraumbedingungen am Dreisessel haben sich dadurch einerseits verbessert – durch mehr Beerensträucher, mehr Ameisen sowie bessere Schlafbäume – andrerseits ist die Zahl der Störungen eklatant gestiegen.

Zum Schutz des Auerhuhns„Im Winter hat das Auerhuhn einen erhöhten Energiebedarf aufgrund der Kälte. Es steht aber nur nährstoffarme Nahrung wie zum Beispiel Fichtennadeln oder Knospen zur Verfügung, die schwer zu erschließen ist, bei gleichzeitig jahreszeitlich bedingt kurzen Tagen mit nur wenigen Stunden zur Nahrungsaufnahme“ erläutert der stellvertretende Leiter des Bayerischen Forstbetriebes Neureichenau, Albert Pauli. Kommen dann zusätzliche Energieverluste durch regelmäßige Fluchten vor Wintersportlern hinzu, erhöht sich die Gefahr erheblich, dass die Auerhühner verhungern.

„Eine Stichprobenprüfung am 18. Dezember dieses Jahres hat ergeben, dass jetzt schon hochintensive Nutzung im Gebiet durch Wintersportler – und jetzt schon zahlreiche Wegegebotsverletzungen bestehen“, sagt Simmet. Dies belegen teilweise Spuren nicht nur von Einzelpersonen, sondern auch offenkundig von Gruppen direkt in die Vorkommensgebiete des Auerhuhns. Seine Lebensräume werden durch den gesteigerten Besucherstrom, insbesondere Wintersportler, gestört, so dass das empfindliche Tier nicht die zum Überwintern notwenige Ruhe findet.

„Heute gibt es den imposanten Vogel im Landkreis nur noch im Gebiet des Nationalparks und am Dreisesselmassiv“, verrät Simmet. Für den Freizeitsportler ist es wichtig zu wissen, dass die Einhaltung des Wegegebots am Dreisesselberg unbedingte Voraussetzung zum Schutz des Auerhuhns ist. Wer sich auf den zulässigen Wanderwegen und Routen bewegt, kann dies mit gutem Gewissen tun. Die Tiere sind an Störungen auf diesen Abschnitten gewöhnt und meiden diese Bereiche. Probleme und erhebliche Gefährdungen gehen allerdings von denjenigen Besuchern aus, die die zulässigen Wege verlassen, entweder beim Aufstieg oder für eine attraktive Abfahrt in unberührtem Neuschnee. Dies kommt zwar nur mehr vereinzelt vor. Doch es genügen schon wenige Störungen in der Woche, die durch einzelne Wintersportler verursacht werden, so dass die Auerhühner ihre überlebenswichtige Nahrungsaufnahme am Tag unterbrechen müssen und zu energieraubender Flucht gezwungen sind.

Im Sommer ist das ein geringeres Problem, da die Wege aus Gründen der Geländeanforderungen kaum verlassen werden und da Wanderer bei weitem nicht so schnell unterwegs sind wie zum Beispiel abfahrende Tourenskifahrer.

„Unverkennbar hat der Anteil derjenigen Besucher, die das strikte Wegegebot im Gebiet einhalten, die letzten Jahre stetig zugenommen“, sind sich Harald Schäfer von den Bayerischen Staatsforsten und Werner Simmet einig. „Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, zumal übers Jahr in zahlreichen Treffen, zum Beispiel unter der Federführung von Neureichenaus Bürgermeister Walter Bermann, sich immer alle Beteiligten einig waren, dass nichts unversucht gelassen werden soll, um das Auerhuhn dauerhaft am Berg zu halten.

Auf den markierten Wegen können die Schneeschuhgeher und Skitourengeher auch im Winter naturschonend die Schönheit des Dreisessel-Hochlagen und die Fernsicht über das Steinerne Meer bis hin zu den Alpen genießen.

Nach einem Beschluss der Bayerischen Staatsregierung ist geplant, in den Naturparken Bayerns insgesamt 60 Ranger einzusetzen. Ein solcher Ranger könnte mittel- bis langfristig auch im Dreisesselgebiet die Besucherlenkung unterstützen. Für den Winter 2018/19 kann jedoch noch nicht mit einer Einführung gerechnet werden.

Wer mit einem Smartphone oder einem Navigationsgerät unterwegs ist, kann sich den digitalen Track zur Wegführung über die interaktive Karte der Seite www.nationalpark-ferienland.de herunterladen. Dort finden sich auch zahlreiche weitere Tipps für Wanderungen, Events, Gastronomie und Veranstaltungen.

VERHALTENSREGELN: Keine Aufstiege und keine Abfahrt abseits der Wege, keine Abfälle hinterlassen, Tiere nicht beunruhigen, kein Lagern und Zelten, kein Feuer machen, Hunde anleinen.

Bildunterschrift 1:

Jede Flucht bedeutet Lebensgefahr: Ein Auerhahn findet im Winter nicht genug energiereiche Nahrung.

Bildunterschrift 2:

An der  neuen Info-Tafel, die Schneeschuhgeher und Skitourengeher auf das Naturschutzgebiet „Hochwald“ hinweist: Bürgermeister Walter Bermann (von links), Werner Simmet von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, stellvertretender Forstbetriebsleiter  Albert Pauli und Dreisessel-Revierleiter Harald Schäfer

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