Es sind Szenen, die man so nicht alle Tage erlebt: Zwischen Bauklötzen, Kinderlachen und bunten Bilderbüchern sitzen rund 20 junge Medizinstudierende, die aufmerksam kleine Patientinnen und Patienten untersuchen. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, ist Teil eines besonderen Projekts, das im Landkreis Freyung-Grafenau erneut erfolgreich umgesetzt wurde – und dabei einmal mehr zeigt, wie wertvoll praxisnahe Erfahrungen für angehende Ärztinnen und Ärzte sind.
Im sonst so theorielastigen Studium bleibt oft wenig Raum, um mit den kleinsten Patientinnen und Patienten direkt in Kontakt zu treten und den Umgang mit ihnen einzuüben. Hier setzt dieses Format, das über einen Nachmittag geht an: Im Gesamtprojekt, das in Kooperation mit der niederbayernweiten Initiative „Die LandArztMacher“ durchgeführt wird, öffnet sich der Landkreis für Medizinstudierende aus ganz Deutschland, die ihre Famulatur – also ein vierwöchiges Praktikum - in der Region absolvieren. Engagierte, erfahrene Ärztinnen und Ärzte aus der Region begleiten das Projekt und sorgen für den fachlichen Input, der den Studierenden wertvolle Einblicke in die medizinische Praxis ermöglicht. Dank der Unterstützung des Freyunger Kindergartens Sankt Josef auch in die Welt der Kinderheilkunde.
„Kinder sprechen eine eigene Sprache – und wer sie versteht, kann am Ende in diesem Bereich gut arbeiten. Wir als Regionalmanagement des Landkreises wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die jungen angehenden Medizinerinnen und Mediziner die Möglichkeit bekommen, sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln“, erklärt Regionalmanager Stefan Schuster. Gleichzeitig soll das Gesamtprojekt dazu beitragen, die Medizinstudierenden für Leben und Arbeiten im Bayerischen Wald zu begeistern.
Für die Kinder wird der Besuch der „Nachwuchsmediziner“ schnell zum Erlebnis. Spielerisch und ohne Berührungsängste lassen sie Untersuchungen zu, stellen neugierige Fragen und begegnen der Situation mit beeindruckender Offenheit. Genau diese Unbefangenheit ist es, die den angehenden Ärztinnen und Ärzten wichtige Einblicke ermöglicht: Wie kommuniziere ich kindgerecht? Wie baue ich Vertrauen auf? Und wie nehme ich Ängste ernst?
Auch Eltern und Erzieherinnen erleben das Projekt als Gewinn. Sie begleiten die Begegnungen, schaffen eine vertraute Atmosphäre und beobachten, wie schnell sich die Kinder auf die Situation einlassen. Für viele ist es zugleich eine Bestätigung ihrer täglichen Arbeit: Sie sind es, die den Grundstein für Vertrauen, Offenheit und soziale Kompetenz legen.
Organisiert wird das Projekt vom Regionalmanagement des Landkreises, das gemeinsam mit den Projektpartnern die Rahmenbedingungen schafft. Hier zeigt sich, wie wichtig eine starke regionale Vernetzung ist: Engagement, Koordination und ein gemeinsames Ziel machen es möglich, innovative Ideen nachhaltig umzusetzen.
Für die Studierenden selbst bleibt vor allem eines: eine positive Erfahrung, die weit über das Lehrbuch hinausgeht. Der direkte Kontakt mit Kindern, das Arbeiten in einer ungewohnten Umgebung und die vielen kleinen, echten Begegnungen prägen – fachlich wie menschlich. So wird aus einem Nachmittag in einem niederbayerischen Kindergarten mehr als nur ein Programmpunkt in einem Praktikum – vielleicht sogar der Beginn einer Karriere als Landärztin oder Landarzt im Bayerischen Wald.


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