Die Mäharbeiten entlang der Kreisstraßen im Landkreis Freyung-Grafenau sind in vollem Gange. Im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang November sind die Mitarbeiter des Kreisbauhofs kontinuierlich mit der Pflege der sogenannten Straßenbegleitflächen des über 335 km langen Kreisstraßennetzes beschäftigt. So manchem wachsamen Bürger mag dabei aufgefallen sein, dass sich nach den Arbeiten an manchen Stellen gemähte und ungemähte Abschnitte entlang einiger Kreisstraßen abwechseln. Dieses auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftige Erscheinungsbild ist auf das neue, an ökologischen Leitlinien orientierte Mähkonzept, zurückzuführen. „Indem wir bei der Pflege nicht wie bisher großflächig, sondern abschnittsweise vorgehen, bieten wir Tieren die Möglichkeit, in die angrenzenden ungemähten Bereiche zu flüchten. Von diesen Rückzugsbereichen aus können sie die gepflegten Abschnitte mit zunehmendem Neuaufwuchs wieder besiedeln“, erklärt Bauhofleiter Thomas Eder. Außerdem können die Samen blühender Kräuter in den ungemähten Abschnitten ungestört ausreifen, was die Ausbreitung von Blumen im Bestand begünstigt.
In Zeiten von Artensterben und Klimawandel wird der gezielte Einsatz für die Biodiversität immer wichtiger. Auch – oder gerade - das Straßenbegleitgrün bietet dabei großes, bisher kaum genutztes Potenzial, wie Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege Lena Fröhler erläutert: „Ökologisch gestaltete Grünflächen bieten Insekten und anderen Tieren Nahrung und Rückzugsorte, die sie angesichts unserer zunehmend ausgeräumten und verbauten Landschaft dringend brauchen. Der besondere Vorzug des Straßenbegleitgrüns liegt darin, dass im Gegensatz zu vielen anderen Flächen kein Nutzungs- oder Produktionsdruck besteht. Es wird weder gedüngt, noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Somit bieten diesen Flächen beste Voraussetzungen, um die Artenvielfalt zu fördern.“
Selbstverständlich hat die Verkehrssicherheit bei der Pflege des Straßenbegleitgrüns immer Vorrang. Je nach Lage zur Straße und entsprechend der jeweiligen Funktion wird das Straßenbegleitgrün in unterschiedlicher Intensität gepflegt. „Im direkt an die Straße angrenzenden Intensivbereich muss häufiger gemulcht werden, um den Aufwuchs kurzzuhalten. Schließlich soll die Sicht nicht beeinträchtigt werden und die Verkehrssicherheit gewährleistet bleiben“, so Bauhofleiter Eder.
Die daran angrenzenden, weiter von der Straße entfernten Bereiche, werden als Extensivbereich bezeichnet. Da sich deren Pflege nicht direkt auf die Verkehrssicherheit auswirkt, besteht Spielraum für ökologische Ansätze. Gar nicht mähen ist jedoch auch keine Lösung. Um das Einwandern von Gehölzen zu verhindern und die Wiesenflächen dauerhaft offenzuhalten, ist es in der Regel notwendig, einmal jährlich zu mähen. „Dank der abschnittsweisen Pflege können Lebens- und Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen trotz der Eingriffe erhalten bleiben. Da im nächsten Jahr gewechselt wird und die in diesem Jahr gemähten Abschnitte als Altgrasstreifen stehen bleiben, während dann die diesjährigen ungemähten Abschnitte gemäht werden, wird einer Verbuschung vorgebeugt“, führt Lena Fröhler aus. Die über den Winter stehen gelassenen Altgrasstreifen stellen außerdem wertvolle Winterquartiere für Insekten dar, die an oder in den welken Blättern, hohlen Stängeln und vertrockneten Blütenständen bis zum nächsten Frühjahr ausharren.
Bauhofleiter Thomas Eder und sein Team sind aktuell dabei, geeignete Straßenabschnitte für das ökologische Pflegekonzept festzulegen. „Prädestiniert sind lange Grünzüge und breite Böschungen, wie z. B. entlang der Kreisstraße FRG 5 bei Rosenau oder der FRG 57 bei Jandelsbrunn. Hier lässt sich das Konzept ohne großen Aufwand in den Betriebsalltag einflechten. Gleichzeitig profitiert auch die Tier- und Pflanzenwelt auf diesen langen, zusammenhängenden Flächen ganz besonders davon, dass nicht mehr komplett durchgemäht wird.“ So geht es entlang der Kreisstraßen in Freyung-Grafenau Abschnitt für Abschnitt in Richtung mehr Artenvielfalt.