Trotz zahlreicher Aufklärungskampagnen und gesetzlicher Maßnahmen zählt Rauchen weiterhin zu den größten vermeidbaren gesundheitlichen Risiken. Die Bayerische Staatsregierung hat sich für 2026 zum Ziel gesetzt, süchtigem Verhalten und den daraus resultierenden Folgen vorzubeugen.
Vor diesem Hintergrund beteiligt sich auch das Gesundheitsamt Freyung-Grafenau an der bundesweiten Aktion „Rauchfrei im Mai“. Dazu haben wir mit Amtsärztin Dr. med. Karin Drachsler über die anhaltenden Gefahren des Rauchens, aktuelle Entwicklungen und Unterstützungsangebote gesprochen.
Frage: Warum ist die Aufklärung zum Thema Rauchen nach wie vor so wichtig?
Dr. Drachsler: Zwar ist die Zahl der Raucherinnen und Raucher in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, dennoch raucht weiterhin ein nennenswerter Teil der Bevölkerung. In Deutschland ist Rauchen nach wie vor der bedeutendste vermeidbare Risikofaktor für schwere Erkrankungen – insbesondere für Krebs. Aufklärung ist deshalb entscheidend, weil viele Menschen die Risiken unterschätzen oder falsch einschätzen. Sie schafft die Grundlage für informierte Entscheidungen und kann insbesondere junge Menschen davor bewahren, überhaupt mit dem Rauchen zu beginnen.
Frage: Rauchen gilt als häufigste vermeidbare Todesursache. Was bedeutet das konkret?
Dr. Drachsler: Rauchen ist Hauptursache für zahlreiche schwere Erkrankungen, allen voran Lungenkrebs. Tatsächlich sind rund 90 Prozent der Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückzuführen. Insgesamt steht Tabakkonsum mit etwa 20 Prozent aller Krebsneuerkrankungen in Zusammenhang. Darüber hinaus erhöht Rauchen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und chronische Atemwegserkrankungen wie COPD erheblich. In Deutschland sterben jährlich über 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Umso wichtiger ist die Botschaft: Es ist nie zu spät aufzuhören – jeder Rauchstopp lohnt sich.
Frage: Wie entwickelt sich das Rauchverhalten bei jungen Menschen?
Dr. Drachsler: Das klassische Rauchen ist bei Jugendlichen insgesamt rückläufig. Gleichzeitig beobachten wir aber eine zunehmende Verbreitung alternativer Nikotinprodukte wie Vapes. Sie werden oft als deutlich weniger schädlich eingeschätzt, sind es aber nicht. Sie enthalten ebenfalls gesundheitsschädliche Stoffe und können den Einstieg in die Nikotinabhängigkeit erleichtern.
Frage: Welche Rolle spielt das Gesundheitsamt bei der Prävention?
Dr. Drachsler: Prävention ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Wir informieren beispielsweise regelmäßig in Schulen über die Risiken des Rauchens und stellen Materialien sowie Programme zur Verfügung. Ziel ist es, frühzeitig aufzuklären und Alternativen aufzuzeigen.
Aktuell haben wir mit einem Infostand im Eingangsbereich des Gesundheitszentrums in Waldkirchen auf die Aktion „Rauchfrei im Mai“ aufmerksam gemacht. Auch bei Schuleingangsuntersuchungen wird immer wieder thematisiert, wie wichtig es für Kinder ist, in einer rauchfreien Umgebung aufzuwachsen. Kinder sind wegen ihrer schnelleren Atemfrequenz und des weniger effizienten Entgiftungssystems besonders gefährdet, wenn in geschlossenen Räumen oder bei Autofahrten in ihrer Anwesenheit geraucht wird.
Frage: Was können Raucher konkret tun, wenn sie aufhören möchten?
Dr. Drachsler: Der wichtigste Schritt ist die Entscheidung, etwas verändern zu wollen. Danach sollte man sich Unterstützung holen – denn die Erfolgsaussichten steigen dadurch deutlich. Ohne Hilfe sind nur etwa drei Prozent der Rauchstoppversuche langfristig erfolgreich, mit professioneller Unterstützung können es bis zu 20 Prozent oder mehr sein. Hilfsangebote reichen von Rauchentwöhnungskursen über Beratungsstellen bis hin zu telefonischer oder digitaler Unterstützung. Auch der bundesweite Mitmachmonat „Rauchfrei im Mai“ bietet eine gute Gelegenheit, den Ausstieg anzugehen. Teilnehmende erhalten während des gesamten Monats motivierende Tipps und Begleitung, etwa per App, E-Mail oder Social Media.
Frage: Was steckt hinter „Rauchfrei im Mai“?
Dr. Drachsler: „Rauchfrei im Mai“ ist ein bundesweiter Aktionsmonat, der Menschen motivieren soll, einen Rauchstopp zu versuchen. Ziel ist es, die Zahl ernsthafter Aufhörversuche zu erhöhen und bestehende Unterstützungsangebote besser bekannt zu machen. Die Teilnahme ist kostenlos und bewusst niedrigschwellig gestaltet. Schon ein erster Versuch kann ein wichtiger Schritt sein – mit jedem weiteren steigt die Chance, dauerhaft rauchfrei zu werden, da man aus den Erfahrungen vorheriger Versuche lernt. Während vor zehn Jahren noch über 30 Prozent der Rauchenden einen Rauchstoppversuch unternommen haben, sank diese Zahl in den letzten zwölf Monaten auf unter zehn Prozent.
Frage: Was möchten Sie den Menschen zum Abschluss mit auf den Weg geben?
Dr. Drachsler: Ich möchte alle ermutigen, den Schritt zu wagen. Der Körper beginnt sofort, sich zu erholen – bereits kurz nach der letzten Zigarette verbessern sich Puls und Blutdruck, und langfristig sinkt das Risiko für schwere Erkrankungen deutlich. Jeder Verzicht zählt. Wer Unterstützung in Anspruch nimmt, erhöht seine Chancen erheblich. Deshalb gilt: Nicht allein kämpfen, sondern Hilfe annehmen und dranbleiben – für die eigene Gesundheit und die der Angehörigen.
Weitere Informationen zur Teilnahme am Mitmachmonat „Rauchfrei im Mai“ gibt es unter: www.rauchfrei-im-mai.de

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