Anlässlich des Tages der Zahngesundheit (25. September) möchte das Gesundheitsamt Freyung-Grafenau auf die fundamentale Bedeutung der Mundgesundheit für das allgemeine Wohlbefinden aufmerksam machen. Aus diesem Anlass haben wir das Gespräch mit der Zahnärztin Frau Sandra Reif gesucht, die in einer Zahnarztpraxis in Röhrnbach tätig ist. Sie erklärt im Interview unter anderem, wie unbehandelte Entzündungen im Mund das Risiko für Herzinfarkte oder Diabetes erhöhen können, dass ohne Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen ein Drittel der Zahnflächen ungeputzt bleibt, worauf Eltern beim Putzen der Zähne ihrer Kinder achten sollten und warum ein Kaugummi die Zahnbürste niemals komplett ersetzen kann.
Frau Reif, der Leitspruch „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“. steht heuer als Überschrift über dem Tag der Zahngesundheit. Stimmt es, dass schlechte Zähne Auswirkungen auf den gesamten Körper haben können?
Definitiv ja. Entzündungen im Mundraum können sich über die Blutbahn und die Lymphflüssigkeit weit über den Kieferbereich hinaus ausbreiten und somit das gesamte Abwehrsystem des Körpers belasten. Mund und Allgemeingesundheit sind im wahrsten Sinne des Wortes eng miteinander „verzahnt“. Unsere Sinnesorgane und das Gehirn befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Gebiss, und zwischen den Zähnen sowie den Organen bestehen ständige Wechselwirkungen. Ist beispielsweise ein durch Karies verursachtes Loch im Zahn erst einmal bis zum Nerv vorgedrungen, können sich Krankheitserreger und schädliche Botenstoffe über das Blut im gesamten Körper verteilen und an ganz unterschiedlichen Stellen Probleme verursachen. Bei einer dauerhaften Entzündung des Zahnbetts erhöht sich zudem das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes und sogar Frühgeburten. Unsere Mundhöhle nimmt ja als Eingangstor des Verdauungssystems
eine entscheidende Rolle ein. Hier findet nämlich nicht nur Nahrungszerkleinerung, sondern bereits auch eine wichtige "Vorverdauung" durch im Speichel enthaltene Enzyme (also spezielle Proteine) statt. Ebenso wird der Nahrungsbrei durch den Speichel überhaupt erst gleitfähig gemacht. Hier zahlt sich die richtige Pflege also doppelt aus, denn mit kranken, schmerzhaften oder sogar schon verloren gegangenen Zähnen beißt es sich ja viel schlechter und die Verdauung leidet schon an dieser Stelle.
Wie oft sollte man sich im Alltag die Zähne putzen?
Vom allerersten Zähnchen an bis ins hohe Alter gilt die Empfehlung, sich mindestens zweimal täglich die Zähne zu reinigen, am besten morgens nach dem Frühstück und abends direkt vor dem Schlafengehen. Wenn man allerdings saure Speisen oder Getränke zu sich genommen hat, sollte man mit dem Putzen mindestens eine halbe Stunde warten, damit der Speichel die Säure im Mund vorher auf natürliche Weise neutralisieren kann. Ein besonderes Anliegen ist mir hierbei die Unterstützung der Kinder: Eltern sollten bei ihren Kindern bis zum achten Lebensjahr auf jeden Fall konsequent nachputzen. Und auch herausnehmbarer Zahnersatz muss zweimal täglich gründlich gesäubert werden, vorzugsweise mit einer speziellen Bürste und einfacher Kernseife.
Kann das Kauen eines Kaugummis das Zähneputzen eigentlich ersetzen?
Ersetzen kann ein Kaugummi das Zähneputzen nicht, aber unterwegs durchaus sinnvoll ergänzen. Ein zuckerfreier Kaugummi ist praktisch und regt die Speichelbildung an, jedoch vermag nur die Zahnbürste klebrige Beläge wirklich gründlich und zuverlässig zu entfernen. Wer allerdings zum Zähneknirschen neigt, sollte auf übermäßiges Kaugummikauen verzichten, um die ohnehin beanspruchte Kaumuskulatur nicht noch zusätzlich zu belasten.
Was kann man seinen Zähnen außer dem Zähneputzen sonst noch Gutes tun?
Für die Gesundheit der Zähne ist eine knackige und frische Ernährung ideal, denn Zähne sind zum Kauen da und wollen gefordert werden. Als schonende Alternative zur Mundspülung eignet sich zudem regelmäßiges Ölziehen, bei dem pflanzliches Öl für einige Minuten im Mund hin- und herbewegt und anschließend ausgespuckt wird. Besonders gut geeignet sind dafür kaltgepresste Öle wie Kokos- oder Sesamöl in Bioqualität. Ölziehen ist aber immer nur eine Ergänzung und kann nicht die Zahnpflege ersetzen. Zweimal im Jahr sollte man außerdem einen Kontrolltermin in der Zahnarztpraxis wahrnehmen und diesen idealerweise mit einer professionellen Zahnreinigung verbinden. Nicht zuletzt sind Zahnseide oder kleine Zwischenraumbürstchen im Alltag unverzichtbare Helfer, denn ohne ihre Anwendung bleibt rund ein Drittel aller Zahnflächen ungeputzt.

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