47 Pädagoginnen und Pädagogen aus Kindertageseinrichtungen sowie der Kindertagespflege im Landkreis Freyung-Grafenau nahmen an der Fortbildung „Was tun, wenn’s schwierig wird?“ teil. Referentin Tanja Schatzl vermittelte praxisnahe Impulse für den professionellen Umgang mit herausforderndem Verhalten von Kindern und regte die Teilnehmenden dazu an, ihren Blickwinkel bewusst zu verändern.
Im Mittelpunkt stand das Denkmodell des „guten Grundes“. Dieses geht davon aus, dass jedes Verhalten eines Kindes Ausdruck seiner Bedürfnisse, Gefühle oder bisherigen Erfahrungen ist. Statt ein Verhalten vorschnell als störend oder absichtlich schwierig zu bewerten, gilt es daher, dessen mögliche Ursachen und Botschaften zu verstehen.
Einen zentralen Perspektivwechsel bildete dabei die Frage „Wozu ist das Verhalten des Kindes da?“ anstelle von „Warum verhält sich das Kind so?“. Dadurch kann das Verhalten als Lösungsversuch des Kindes für eine belastende Situation verstanden werden. Leitfragen wie „Was möchte das Kind mitteilen?“ oder „Welche Bedürfnisse werden möglicherweise nicht berücksichtigt?“ halfen den Teilnehmenden, Situationen aus der Sicht des Kindes zu betrachten und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Neben dem Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder wurde auch die Bedeutung eines verlässlichen Erziehungsrahmens hervorgehoben. Klare Regeln, nachvollziehbare Grenzen und feste Strukturen geben Kindern Orientierung und Sicherheit. Gerade in herausfordernden Situationen sind Erwachsene gefordert, Halt zu geben und konsequent, zugleich aber wertschätzend zu handeln.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Unterscheidung zwischen Bedürfnissen und Wünschen. Grundlegende Bedürfnisse – etwa nach Sicherheit, Bindung, Zugehörigkeit, Autonomie oder Anerkennung – müssen wahr- und ernst genommen werden. Wünsche hingegen können nicht immer erfüllt werden. Diese Unterscheidung hilft pädagogischen Fachkräften und Eltern, angemessen auf das Verhalten von Kindern zu reagieren und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten.
Anhand von Praxisbeispielen zeigte Tanja Schatzl, wie Fachkräfte Kinder durch eine wertschätzende Haltung, einfühlsame Beobachtung und bedürfnisorientiertes Handeln unterstützen können. Ziel ist es, gemeinsam mit den Kindern neue und sozial verträgliche Möglichkeiten zu entwickeln, mit denen sie ihre Bedürfnisse ausdrücken und ihre Ziele erreichen können.
Die Fortbildung bot zahlreiche Anregungen für den pädagogischen Alltag. Die hohe Beteiligung und der intensive fachliche Austausch unterstrichen das große Interesse an dem Thema und die Bedeutung kontinuierlicher Fortbildung für die Qualität der frühkindlichen Bildung im Landkreis Freyung-Grafenau.
Als weiterführendes Angebot findet am 18. März 2027 im Haidl-Atrium in Röhrnbach ein Fachtag mit Prof. Dr. Maywald statt. Die Veranstaltung behandelt weitere Aspekte kindlichen Verhaltens im Zusammenhang mit einrichtungsbezogenen Schutzkonzepten. Sie richtet sich an Pädagoginnen und Pädagogen, Kindertagespflegepersonen, Netzwerkpartner der Einrichtungen sowie weitere Interessierte.

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